Chianti im Herzen der Toskana
Inhalt
Das Chianti ist die hügelige Landschaft zwischen Florenz im Norden und Siena im Süden – Weinberge, Olivenhaine, Zypressenalleen, Burgen und kleine Dörfer auf den Hügelkuppen. Hier wächst der Chianti Classico mit dem Schwarzen Hahn. Auf dieser Seite finden Sie den Überblick: wo genau das Chianti liegt, wie Sie es am besten erkunden, welche Orte sich lohnen und wie Sie eine Weinprobe buchen.
Chianti – auf einen Blick
- Lage: Hügelland zwischen Florenz und Siena, Provinzen Florenz und Siena
- Kerngemeinden: Greve, Radda, Gaiole und Castellina in Chianti (vollständig im Chianti-Classico-Gebiet)
- Höchster Berg: Monte San Michele, 892 m (bei Greve)
- Schönste Route: die Via Chiantigiana (SR 222) von Florenz über Greve und Castellina nach Siena
- Beste Reisezeit: Mai/Juni und September/Oktober (Weinlese)
- Weinproben: direkt bei Weingütern oder als geführte Chianti-Tour bei GetYourGuide
Wo liegt das Chianti?
Das Chianti hat keine Verwaltungsgrenze. Gemeint ist meist das Gebiet des Chianti Classico: rund 71.800 Hektar zwischen Florenz und Siena. Vollständig dazu gehören die Gemeinden Greve, Radda, Gaiole und Castellina in Chianti, teilweise Barberino Tavarnelle, San Casciano in Val di Pesa, Castelnuovo Berardenga und Poggibonsi. Im Osten bilden die Monti del Chianti die Grenze zum Arnotal (Valdarno); ihr höchster Gipfel ist der Monte San Michele mit 892 Metern, heute ein Naturschutzgebiet mit weitem Blick über drei Täler.
Der Wein mit der Bezeichnung „Chianti“ (ohne Classico) wird in einem viel größeren Gebiet angebaut, das bis in die Provinzen Arezzo, Pisa, Pistoia und Prato reicht. Was die Unterschiede bedeuten, erklären wir unter Chianti, Chianti Classico und die DOC/DOCG-Regeln.
Das Chianti erkunden
Anreise und Routen
Die klassische Strecke ist die Via Chiantigiana (SR 222), die von Florenz über Greve in Chianti, Panzano und Castellina bis nach Siena führt. Schneller, aber ohne Landschaft, ist die Schnellstraße Florenz–Siena (RA 3), von der Ausfahrten etwa nach San Casciano und Tavarnelle abgehen. Die Straßen im Chianti sind kurvig und oft schmal – planen Sie mehr Zeit ein, als das Navi anzeigt, und mit dem Wohnmobil eher die Hauptstraßen. Ohne eigenes Auto kommen Sie am bequemsten mit einer geführten Tour ab Florenz oder Siena ins Chianti.
Beste Reisezeit
Am schönsten ist das Chianti im späten Frühjahr, wenn alles grün ist, und im September/Oktober zur Weinlese. Im Hochsommer ist es heiß, dafür sind die Abende auf den Hügeln angenehm. Mehr dazu unter beste Reisezeit für die Toskana.
Weinproben und Touren
Viele Weingüter bieten Führungen durch Keller und Weinberge mit Verkostung an; meist sollten Sie vorher reservieren. Wer nicht selbst fahren möchte (Stichwort Promillegrenze), bucht eine organisierte Tour: Bei GetYourGuide gibt es zum Beispiel eine Chianti-Wein- und Food-Tour ab Florenz mit zwei Weingütern oder ab Siena eine Tour ins Chianti und nach San Gimignano. Weitere Angebote finden Sie in der Übersicht der Chianti-Touren. Allgemeines zum Wein der Region lesen Sie unter Toskana-Wein.
Unterkunft im Chianti
Typisch sind Agriturismi auf Weingütern und Ferienwohnungen in alten Bauernhäusern. Greve in Chianti liegt zentral an der Via Chiantigiana und ist ein guter Standort für Ausflüge nach Florenz und Siena – Unterkünfte in Greve in Chianti bei Booking.com.
Unterkunft im Chianti finden
Sehenswerte Orte im Chianti
Ausführliche Porträts mit Tipps finden Sie in unserem Beitrag über die schönsten Orte im Chianti. Hier die wichtigsten im Kurzüberblick:
Greve in Chianti und Montefioralle
Greve gilt als Hauptort des Chianti. Mittelpunkt ist die Piazza Matteotti, ein lang gezogener, fast dreieckiger Platz mit Laubengängen, Weinläden und Metzgereien. Samstags ist Markt. Nur wenige Minuten oberhalb liegt Montefioralle, ein ummauertes mittelalterliches Dorf mit gepflasterten Gassen.
Radda in Chianti und Volpaia
Radda war im Mittelalter Hauptort der Lega del Chianti; am Ortskern steht der Palazzo del Podestà mit Wappen an der Fassade. Wenige Kilometer nördlich liegt Volpaia, ein kleines Burgdorf rund um eine mittelalterliche Festung, das heute weitgehend von einem Weingut geprägt ist.
Gaiole in Chianti und Castello di Brolio
Gaiole ist umgeben von Burgen und Weingütern. Südlich liegt das Castello di Brolio, Stammsitz der Familie Ricasoli. Radfahrer kennen Gaiole von der L’Eroica, einem Rennen auf Schotterstraßen mit historischen Rennrädern.
Castellina in Chianti
Castellina liegt auf einem Hügelrücken zwischen den Tälern von Pesa, Elsa und Arbia. Am Ortsrand befindet sich das etruskische Hügelgrab von Montecalvario; Funde zeigt das Archäologische Museum des Chianti Senese im Ort.
Impruneta
Impruneta südlich von Florenz ist bekannt für seine Terrakotta-Werkstätten. Die Basilika Santa Maria all’Impruneta geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Im Herbst feiert der Ort sein traditionelles Traubenfest.
Am Rand des Chianti: Monteriggioni und Montespertoli
Monteriggioni nördlich von Siena gehört nicht mehr zum Chianti-Classico-Gebiet, ist aber ein lohnender Abstecher: Die vollständig erhaltene Ringmauer mit ihren Türmen erwähnt schon Dante in der Göttlichen Komödie. Montespertoli westlich des Classico-Gebiets feiert jedes Jahr Ende Mai/Anfang Juni die Mostra del Chianti, ein mehrtägiges Weinfest.
Geschichte des Chianti
Im 13. Jahrhundert schlossen sich Castellina, Radda und Gaiole zur Lega del Chianti zusammen, einem Militärbund im Dienst von Florenz gegen Siena. Ihr Wappen, ein schwarzer Hahn auf goldenem Grund, ist heute das Zeichen des Chianti Classico. 1716 legte Großherzog Cosimo III. de’ Medici per Erlass die Grenzen des Weinbaugebiets fest – eine frühe Vorform heutiger Herkunftsbezeichnungen. 1924 gründeten 33 Winzer das Konsortium des Chianti Classico.
Im 19. Jahrhundert entwickelte Baron Bettino Ricasoli auf Schloss Brolio die Rebsortenmischung, auf der der Chianti lange beruhte, mit Sangiovese als Hauptsorte. Ricasoli, später italienischer Ministerpräsident, hieß wegen seiner Strenge der „eiserne Baron“. Um ihn ranken sich Legenden: Nach seinem Tod soll er als Geist zu Pferd rund um Brolio unterwegs sein. Heute muss ein Chianti Classico zu mindestens 80 Prozent aus Sangiovese bestehen.
Häufige Fragen zum Chianti
Wo genau liegt das Chianti?
Zwischen Florenz im Norden und Siena im Süden. Das Kerngebiet bilden die Gemeinden Greve, Radda, Gaiole und Castellina in Chianti; dazu kommen Teile von San Casciano, Barberino Tavarnelle, Castelnuovo Berardenga und Poggibonsi.
Was sind die schönsten Orte im Chianti?
Beliebt sind Greve in Chianti mit seinem Marktplatz, das Burgdorf Montefioralle, Radda, Volpaia, Castellina und Gaiole mit dem Castello di Brolio. Am Rand lohnt Monteriggioni.
Was ist der Unterschied zwischen Chianti und Chianti Classico?
Chianti Classico stammt aus dem historischen Kerngebiet zwischen Florenz und Siena und trägt den Schwarzen Hahn. Chianti ohne Zusatz kommt aus einem deutlich größeren Gebiet der Toskana mit eigenen Regeln.
Wann ist die beste Reisezeit für das Chianti?
Mai, Juni sowie September und Oktober. Im Herbst ist Weinlese, im Frühjahr ist die Landschaft besonders grün. Im Juli und August ist es oft sehr heiß.
Kann man das Chianti ohne Auto besuchen?
Eingeschränkt. Busse fahren zwar von Florenz und Siena in die größeren Orte, bequemer sind aber geführte Weintouren ab Florenz oder Siena, die mehrere Weingüter kombinieren.
Wie hoch ist der höchste Berg im Chianti?
Der Monte San Michele bei Greve in Chianti ist mit 892 Metern der höchste Gipfel der Monti del Chianti.







