Insel Pianosa, das Paradies im Toskanischen Archipel

Gefangen im Naturparadies. Warum nicht!

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit, nämlich noch bis 1998 lebten auf Pianosa Strafgefangene. Doch schon zur Römerzeit wurden hierher unbequeme Landsleute verbannt. Agrippa Postums (12 v. C. – 14 n. C.) war wohl einer der berühmtesten Verbannten. Er war der Enkelsohn von Kaiser Augustus, somit sein Thronerbe. Doch blicken wir zurück in die Gegenwart:
Heutzutage kommen Taucher, Wissenschaftler und Ausflügler zur recht flachen Insel Pianosa, die gerade mal durchschnittlich eine Höhe von zehn Metern erreicht, ihre Küstenlänge beträgt 26 Kilometer. Der höchste Berg, der ‘Monte Capanne’ ist 1018 Meter hoch.

Wer die Insel Pianosa besuchen möchte, muss sich entweder bei der Gemeinde Campo auf Elba oder am Institut ‘Park Toskanischer Archipel’ eine Reservierungsbestätigung besorgen, denn die Inselwelt des Toskansichen Archipels steht unter Naturschutz. 1996 ist sie zum größten europäischen Meeresnationalpark deklariert worden.

Pianosa ist eine von den sieben Inseln des Nationalparks des Toskanischen Archipels. Alle Inseln gehören zum ‘Pelagos Schutzgebiet für alle Meeressäugetiere‘ und bieten Delphinen und Walen eine Heimat. Das Schutzgebiet umfasst 90 000 Quadratkilometer und wurde von den Ländern Italien und Frankreich sowie dem Fürstentum Monaco gegründet. Zur Insel Pianosa gelangt man von Marina di Campo und Marciana Marina sowie Porto Azzuro.


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Ausflüge auf der Insel

Das Dorf Pianosa liegt nah am Kap ‘della Teglia’, nah der alten Gefängnisanlage und auch dem kleine Inselhafen. Hier thront die Burg Teglia, einst von Kaiser Napolion errichtet.

Das Inselchen mag wohl auf den ersten Blick recht unscheinbar wirken. Dennoch gibt es viel zu entdecken und zu bestaunen; sei es bei einer geführten Tour im Park, einer Kutschfahrt über die Insel, einer Tour mit dem Bus oder dem Mountainbike. Seien es Fossilien, seltene Pflanzenarten beim Wandern in der Natur, archäologische Funde oder die Höhle ‘Grotta di Cala di Biagio’ und die Grotte ‘Cortini’ mit prähistorischen Zeugnissen, am Strand der Cala Giovanna, ganz in der Nähe des Dorfes und dem alten Hafen.

Forte Teglia
Forte Teglia

Cala Giovanna

Dieser Strand wird auch als elbanischer Strand bezeichnet, denn die Insel Pianosa gehört zum Gebiet des Archipels vom ‘Campo nell’Elba‘. Hier kann man im kristallklaren Wasser baden und sich an der Meeresfauna erfreuen. Er ist der einzige Ort auf der Insel, an dem das Baden erlaubt ist. Schifffahrt ist hier sowieso verboten, somit darf auch niemand ankern. Hier wurden im Jahre 2000 sogar zwei Meeresschildkröten ausgesetzt. In dieser Strandbucht leben hier viele vom Aussterben bedrohte Arten.

Ebenso spannend ist eine Tour zu Wasser mit dem Kajak oder das Schnorcheln in der Cala Turchi. Und für Taucher gibt es wunderschöne paradiesische Stellen zum Abtauchen in die Tiefen des Thyrrhenischen Meeres.

Isola Pianosa Isola d'Elba im Hintergrund
Isola Pianosa Isola d’Elba im Hintergrund

Tauchausflüge

Der Nationalpark des Toskanisches Archipels schützt den Meeresstreifen um Pianosa. Tauchausflüge vor Pianosa waren für 150 Jahre der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Daher ist die Unterwasserwelt noch von ungeheurer Schönheit und Reinheit. Für Taucher sind die Gewässer vor der Insel Pianosa wunderbare Erlebnisse. Aber sie müssen sich an klare Normen und Strukturen halten, denn die Unterwasserwelt soll weiterhin geschützt und bewahrt bleiben.

Sieben Landbojen wurden für Taucher so verankert, dass dennoch der Schutz des Meeresbodens gewahrt wird, weitere vier für autorisierte Tauchzentren zur Koordinierung der Unterwasserbesuche und noch zwei zur Rettung und Überwachung. Nur kleine Gruppen dürfen Tauchgänge durchführen, diese innerhalb der biologischen Schutzzone und in Begleitung autorisierter Tauchführer.

Die Insel Pianosa bewahrt ihre unberührte Unterwasserwelt. Beeindruckende Bilder bleiben Tauchern von ihren Ausflügen in die Meerestiefen und deren vielfältigen Leben lange erhalten.

Die Villa Agrippa Postumo

Vom Strand der Cala Gioanna aus geht es zu den Ruinen der ‘Villa di Agrippa Postumo’. Der Enkelsohn des Kaisers Augustus lebte von 7 bis 14 nach Chr. hier.

Obwohl Kaiser Augustus seinen Enkelsohn zusammen mit seinem Stiefsohn Tiberius adoptierte, enterbte er seinen Enkelsohn Prinz Agrippa Postumo nach zwei Jahren wieder und schickte ihn in die Verbannung zur Insel Pianosa, denn Augustus’ dritte Ehefrau und Stiefmutter Agrippas Postomus beschuldigte ihren Stiefsohn, den Prinzen Agrippa Postumo der Homosexualität und eines ausschweifigen Lebenswandels, allerdings um ihrem eigenen Sohn Tiberius den Thron zu sichern.

Nach dem Tod von Augustus wurde Agrippo Postumo ermordet, wohl, wie angenommen wird, von einem Offizier, damit Tiberius die Thronfolge ergreifen konnte.

Jedenfalls lebte nun Prinz Agrippa Postumo in dieser schicken Villa nah dem Strand. Die Villa besteht aus einer enorm großen Anlage. Die wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgegraben. Zur Villa gehört ein Theater, ein Thermalbad, welches nach dem Prinzen benannt wurde, ‘Bagni di Agrippa’. Im Herrenhaus sind die Böden mit schwarz-weißem Mosaik ausgelegt, und die Dekorationen sind mit dem Thema der Meeresmythologie versehen worden.

In Reggio Emilia sind archäologische Funde jener Zeit im Museum ausgestellt. Dazu gehören u. a. Bruchstücke von Tonbehältern und Amphoren und Ziegeln, auch Geldstücke jener Zeit. Heutzutage noch kann man einen Gebäudeteil der thermalen Bäder und des Theaters am Meer bestaunen. So bestaunen wir also noch nach etwa 2000 Jahren das Theater und die Therme und ein Peristyl, ein Hof also mit Kolonnaden, ein Schwimmbecken, auch noch einen Saal mit einer Apsis und der dazu gehörigen halbrunden Terrasse, natürlich zum Meer hin ausgerichtet sowie zwei Nymphen-Heiligtümer.

Gefängnis und Mauer

140 Jahre lang gab es auf der Insel Pianosa eine Strafkolonie. Die Strafgefangenen waren in der Landwirtschaft tätig. Und von 1968 bis 1998 existierte ein Hochsicherheitsgefängnis. Für Besucher war die Insel nicht zugänglich, außer für Besucher der Gefangenen, die im Ort im einzigen Hotel Unterschlupf fanden.

Es gibt noch zwei weitere Gefängnisse mit niedriger, für Freigänger gültigen Sicherheitsstufe. Ein paar Häftlinge, die von der Strafanstalt Porto Azzurro auf Elba sind, betreiben das einzige Restaurant auf Pianosa oder arbeiten in Gemüsegärten. Sorge, ein Häftling könnte entfliehen, bietet sich kaum, denn das Meer isoliert die Gefangenen auf natürliche Art. Bei der Ankunft im Hafen sieht ein jeder sofort die Sicherheitsmauer, die ‘Muro dalla Chiesa’, heutzutage noch als ein ‘Relikt der 70er Jahre’ zu verstehen, da damals Pianosa noch ein Hochsicherheitsgefängnis war.

Zum eigentlichen Gefängnis mussten die Häftlinge erst einmal die ‘Muro dalla Chiesa’ passieren. Die Mauer erstreckt sich von der ‘Cala di San Gionanni’ im Süden des Hauptortes Richtung Norden bis hin zum Berg ‘Monte Belvedere’, wo sich auch die römische Herrschaftsanlage des Prinzen Agippa befindet. Seit 1998 kann man Pianosa wieder betreten.

Katakomben von Pianosa

Auf der Insel Pianosa gibt es ein dichtes Katakombennetz. Heutzutage wird in den Katakomben gegraben und geforscht. Päpstliche Archäologen sanieren sie. Das Katakombennetz führt auf das 4. Jahrhundert n. C. zurück. Man hatte damals die Katakomben in die Felsen gehauen. Es gibt 500 Grabnischen und gar 200 unterirdische Gänge. Dieser Katakombenkomplex gilt als der größte nördlich Roms.

Einst gelang man über eine kleine Grotte am Meer hinein in die Katakomben. Ein antikes, in den Fels geritztes Schild weist auf die Katakomben hin. Es befindet sich in Hafennähe. Nur diejenigen kannten es, die davon wussten, dass Christen hier Zuflucht fanden. Eingeritzt ist ein Kreuz, darüber eine Flamme als Symbol für den Heiligen Geist und ein weiteres, welches auf den Eingang deutet. Abgesehen davon, dass ein Teil der Katakomben Gräber beherbergt, gibt es noch einen Raum, in dem wohl einst Gottesdienste stattfanden. Aufgeteilt wurden die Gräber in drei Ränge. Außerordentlich wichtige Persönlichkeiten hatten hier ein Grabbecken. Die Körper wurden in Fötenposition beigesetzt, Steinplatten bedecken die Grabnischen. Die Namen Verstorbener wurden in Spiegelschrift eingeritzt. Die Verstorbenen sollten ihre Namen lesen können.

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